Jagen mit Nachtsichttechnik – Chancen, Risiken und Herausforderungen von Beobachtungsgeräten, Aufsatz- und Vorsatzgeräten

Dank der vor kurzer Zeit geänderten Gesetzgebung, ist es Jägerinnen und Jägern mittlerweile in den meisten Bundesländern erlaubt, mit Nachtsichttechnik zu jagen. Der Begriff Nachtsichttechnik umfasst dabei sowohl Restlichtverstärkung wie auch Wärmebildtechnik. Das Thema ist emotional sehr aufgeladen, und wird hitzig diskutiert. Ich denke, wer bei Nachtsichttechnik nur an Missbrauch und Erlegungsorgien denkt, hat nicht wirklich verstanden worum es geht, und stellt ganz nebenbei die nachgewiesene Zuverlässigkeit der gesamten Jägerschaft in Frage. Da ich der Überzeugung bin, dass man sich mit Neuem befassen muss bevor man sich ein Urteil erlaubt, haben wir auf Grimbart TV in den vergangenen drei Jahren diese neue Technik intensiv getestet. In diesem Artikel möchte ich die gesammelten Erfahrungen aus den verschiedensten Test solcher Technik und den dabei ausgeübten Jagdformen vorstellen.

Das Aha-Erlebnis war riesig, als ich das erste Mal ein Wärmebildbeobachtungsgerät mit im Revier hatte.

aus der Jagdpraxis
Ein Überläuferkeiler auf 70m. Der Pinsel ist deutlich erkennbar.

Es war die Zeit der Milchreife, und der Weizen sollte bewacht werden. Mehrfach waren die Sauen schon drin, und haben Schäden verursacht. Ein Überläufertrupp wurde bestätigt, konnte aber noch nicht erfolgreich bejagt werden. Also los, dachte ich mir, mit der neuen Technik kannst du vielleicht was werden. 

Das Aha-Erlebnis war riesig, als ich das erste Mal ein Wärmebildbeobachtungsgerät mit im Revier hatte. Die vermeintlich ruhige Nacht war unglaublich betriebsam. Überall gab es was zu sehen: Mäuse im Gras, Vögel in Büschen und Bäumen, Hase und Fuchs seelenruhig nebeneinander auf der Wiese, etwas dicklich Rundes in der Gabelung der alten Weide was sich später am Abend als Waschbären entpuppte – überall war was los. Beinahe hätte ich vergessen weshalb ich eigentlich auf Ansitz war. Aber plötzlich war die Bühne leergefegt, und am Waldrand erschienen 3 circa gleich große Wärmequellen. Das muss der Überläufertrupp sein, dachte ich. Es war nichts zu hören, und ganz fasziniert von allem, was ich jetzt Dank Technik sehen konnte, vergaß ich vollkommen, mich fertig zu machen. Noch nie vorher habe ich so genau beobachten können, wie vorsichtig und aufmerksam die Sauen die Lage überprüfen bevor sie rauskommen. Etwas zu vorsichtig für ungestüme Überläufer dachte ich bei mir. Während die Sauen am Waldrand sicherten, versuchte ich sie mit dem teuren Zeiss Fernglas entdecken zu können, es war fast voller Mond und das Licht gut. Ziemlich verwundert merkte ich, dass durch das helle Display des Wärmebildgerätes meine Augen fast blind waren. Zumindest das rechte mit dem ich durch das Gerät geschaut habe. Aber auch mit dem Linken konnte ich außer tiefen Schatten nichts am Waldrand entdecken. Also wieder das Wärmebildgerät ans Auge. Kurz darauf entschlossen sich die Sauen den ca. 10m breiten Grasstreifen mit etwas mehr als knöchelhohem Bewuchs zu überqueren. Im Vergleich zur Wuchshöhe des Weizens konnte ich recht gut erkennen, dass alle drei so um die 40kg Gewicht haben müssten. Perfekt, dachte ich gerade, als kurz darauf rund 14 kleine Frischinge, kaum höher als der Bewuchs, ihren drei jungen Müttern in den Weizen folgten. 

Die hätte ich ohne Wärmebild niemals sehen können. Das hätte bedeutet, ich hätte die drei Sauen als nicht führende Überläufer angesprochen. Ohne die Technik hätte ich ohne Bedenken geschossen, hätte sich eine Gelegenheit ergeben. Den restlichen Abend habe ich lange darüber nachgedacht wieviel Glück ich in der Vergangenheit wohl hatte, dass es da nie zu solch einer Tragödie kam.

So, oder ähnlich beschreiben viele Jäger ihre ersten Erfahrungen mit Nachtsichttechnik. Seit diesem Abend sind noch viele weitere Erlebnisse dazu gekommen – gute genauso wie solche die nachdenklich machen.

Grundsätzlich halte ich Restlichtverstärker und Wärmebildtechnik für einen großen Schritt in  Richtung waidgerechte Nachtjagd. Allerdings erfordert sie auch von erfahrenen Jägern sich sorgfältig mit den (Un-)Möglichkeiten der neuen Technik auseinanderzusetzen. Das, und die gesteigerten Anforderungen an die Eigenverantwortung für das eigene Handeln empfinden manche leider als unzumutbar. Die neuen Möglichkeiten verlangen von uns mehr denn je Demut und Verzicht, um nachhaltig zu jagen. Wer Nachtsichttechnik nutzt, um gierig jeden Tag des Monats zu allen Uhrzeiten kreuz und quer durch das Revier zu pflügen, um jeden Schwarzkittel zu beschießen, missbraucht die Technik, und hat nicht verstanden, dass wir als Jäger Anwalt des Wildes sein sollen. Sinnvoll angewandt, erhöht sie allerdings die Effektivität der Jagd und trägt zu geringeren Störungen bei – mit all den bekannten positiven Effekten. Ob „gut“ oder „böse“ liegt also an Steuerfrau und Steuermann, nicht an der Technik. Diese Erkenntnis gilt aber wohl für viele jagdliche Aspekte; und diese Worte gelten noch viel mehr für Nachtsichttechnik auf der Waffe! 

In diesem Beitrag konzentriere ich mich auf die gemachten jagdpraktischen Erfahrungen. Technische Details versuche ich weitestgehend zu vermeiden. Sensortyp, -röße, Pitch, Displaygröße und -art sind Ansatzpunkte für die Bewertung, geben aber keine Auskunft darüber wie die Leistung des gesamten Systems tatsächlich ist, also wie alle Komponenten und die Software miteinander harmonieren, geschweige denn wie es um die Bedienbarkeit gestellt ist. Ziel ist also keine technische Analyse. Es geht hier um die jagdliche Nutzung. Deshalb kommen bei der Betrachtung auch keine in Deutschland verbotenen Zieloptiken wie Nachtsicht- oder Wärmebildzielfernrohre vor. Diese würden zwar einige der besorgniserregenden Gefahren und Fehler der erlaubten Aufsatz- und Vorsatzgeräte verringern, also der waidgerechten Jagd dienen, aber sogar der Besitz ist laut Waffengesetz verboten. Also schauen wir auf das was wir dürfen. 

Na da schau an – Beobachtungsgeräte

Geräte zur Beobachtung bei Nacht sind wahrscheinlich die Art von Geräten welche die meisten von uns am längsten kennen. Der ein oder andere wird seine ersten Erfahrungen mit den verdächtig günstigen Geräten sehr billiger Lebensmitteldiscounter gemacht haben, und festgestellt haben: wer billig kauft, kauft zweimal. Selbstverständlich muss man auch nicht teuer kaufen, aber vernünftige, für die Jagd brauchbare Nachtsichttechnik  beginnt preislich bei rund 400€ (digitale Restlichtverstärker) bis 1000€ (Wärmebildtechnik). Nach oben sind, wie so oft, kaum Grenzen gesetzt.

Restlichtverstärker

Restlichtverstärker bieten die Möglichkeit nachts deutlich mehr von dem mitzubekommen, was um einen herum vorgeht. Der stärkste Vorteil ist, dass man sehr gut Details erkennen kann, z.B. das Gehörn eines Rehbockes, oder dünne Äste – vorausgesetzt es gibt genügend Restlicht, oder man verwendet einen guten IR-Strahler. Allerdings, und da fangen die Nachteile schon an, muss man auch mit Nachtsicht schon genau hinschauen, um Wild zu entdecken. Und der meistens notwendige IR-Strahler überstrahlt das Bild heftig und unangenehm, wenn man aus Versehen ein Objekt in der Nähe anleuchtet, z.B. eine Strebe des Hochsitzes. 

Da wir Nachts ja vor allem deshalb etwas sehen möchten, um Schwarzwild effektiv zu bejagen, ist es auch nicht notwendig den Bock genau anzusprechen. Stattdessen möchten wir das Wild möglichst schnell und früh mitbekommen – sei es, um es nicht unnötig zu stören, oder um eindeutig zu erkennen, ob es sich um ein führendes Stück handelt. Für diese Aufgabe sind Wärmebildbeobachtungsgeräte sehr viel besser geeignet.

Wärmebildtechnik

Wärmebildtechnik ermöglicht das schnelle Ausfindigmachen von Wärmequellen, auch durch nicht allzu dichten Bewuchs. Bei verantwortungsvoller Verwendung kann man so nicht nur führende Stücke erkennen, sondern auch unnötige Beunruhigung im Revier vermeiden, wenn man sich auf den Ansitz bewegt. Es ist sehr gut möglich, unter Berücksichtigung des Windes, Wild zu umgehen.

Ricke mit Kitzen

Je nach Qualität des verwendeten Gerätes ist das Bild auch recht detailreich, immer vorausgesetzt, dass das was wir beobachten auch „Temperatur“ hat. Gehörne sind nicht sichtbar. Auf Grimbart TV haben wir in den letzten Jahren etliche Geräte verschiedener Hersteller getestet. Bei teilweise gleichen technischen Daten fiel auf, dass die Systemleistung, also das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten, für die Abbildungsfähigkeit und Qualität deutlich wichtiger ist, als die isolierten technischen Kennzahlen. So zeigen zwar alle Geräte zuverlässig Wärmequellen an, aber bei einigen gehen wichtige Umgebungsdetails verloren. Im ungünstigsten Fall bedeutet das´, dass man einen Busch oder eine Hecke zwischen sich und der Sau nicht wahrnimmt und deshalb unwissend einen gefährlichen Schuss durch die Hecke fabriziert. Einige Geräte bilden genug Details ab, um solche Gefahren zu vermeiden. Aber man muss lernen wie das geht. Eine wichtige Funktion dafür ist das Vorhandensein eines manuellen Fokus. Der erlaubt es auch im Nahbereich zu überprüfen, ob „freie Bahn“ herrscht, oder eben nicht.

Links auf die Wärmequelle fokussiert, rechts mit Fokus auf die Hecke zwischen Wärmequelle und Beobachter. Die Hecke ist ca. 2 m vom Beobachter entfernt und 5m von der Wärmequelle (Schieber hin und her bewegen, um den Unterschied zu sehen)
Ein umfassender Vergleich aus dem Jahr 2019
Aktuelle Einstiegsgeräte
Aktuelles Mittelklassegerät

Ich sehe dich! Aufsatzgeräte für Tageslichtoptiken

Bei Aufsatzgeräten steht Wärmebildtechnik außen vor, weil es (noch) nicht möglich ist eine Wärmequelle durch das Glas der Zieloptik zu erfassen. Die Strahlung erreicht den Sensor nicht.

Es gibt sowohl analoge als auch digitale Restlichtverstärker (z.B. PARD) die man auf das Okular einer Tageslichtoptiken setzen kann. Digitale Geräte sind meist deutlich günstiger als analoge. Die Lichtempfindlichkeit und Bildqualität ist allerdings bei Geräten mit analogen Röhren normalerweise höher. Ein großer Vorteil digitaler Geräte ist, dass sie unempfindlicher sind. Man kann sie problemlos bei Tageslicht anschalten und testen. 

Analoge Geräte sind extrem lichtempfindlich und vertragen das nicht. Die Röhre kann dauerhaften Schaden nehmen. Die Geräte kommen in der Regel als Monokulare vor. Das ist auch die vielseitigste Bauart.

Das Gute an analoger Nachtsichttechnik ist nämlich, dass die kleinen, handlichen Röhren vielseitig einsetzbar sind. Die Monatage am Okkular ist genauso möglich wie an Kopfhalterungen verschiedener Bauarten. Außerdem kann das Mono auch hinter ein nachtsichtfähiges Rotpunktvisier oder Prismenvisier montiert werden.

Aus jagdlicher Sicht sticht aber hervor, dass bei der Verwendung dieser Geräte am Okular keine Treffpunktverlagerung zu erwarten ist. Die Waffe und Optik schießt genauso wie am Tage, ohne Nachtsichttechnik. Das ist bei vielen Vorsatzgeräten nicht der Fall.

Eine Bache mit Frischlingen. Gefilmt durch ein Mono das auf ein Zielfernrohr gesteckt wurde.

Aber natürlich hat diese Technik auch Nachteile. Aus jagdpraktischer Sicht sind da vor Allem zwei zu nennen. Erstens, durch das Aufsetzen auf das Okular wird der Augenabstand deutlich kleiner. Abhilfe können abnehmbare Schaftverlängerungen schaffen, oder Zielfernrohrmontagen, die es erlauben das Glas weiter nach vorne zu setzen. Schäfte die verlängerbar sind, bieten die einfachste und komfortabelste Lösung. 

Zweitens, verlangt das Aufsetzen auf das Okular die Verwendung eines zusätzlichen IR-Strahlers, weil im Zielfernrohr viel Restlicht verloren geht. Die aktuell anstehende Änderung des Bundesjagdgesetzes beabsichtigt das zu berücksichtigen. Augenblicklich ist es nämlich leider so, dass nicht überall künstliche Lichtquellen für die Jagd genutzt werden dürfen. Und selbst in den Bundesländern in denen das erlaubt ist gibt es dann vollkommen unsinnige Einschränkungen wie die, dass Jäger die Lichtquellen zwar nutzen dürfen, aber diese nicht an der Waffe oder dem Zielfernrohr befestigen dürfen. Zu Ende gedacht bedeutet das, dass der Jäger, wenn er gesetzeskonform jagen möchte, mit einer Hand die Waffe und in der anderen die Lampe halten muss. Glücklicherweise scheint es so zu sein, dass der Gesetzgeber die Problematik erkannt hat.

Die Verwendung dieser Geräte verlangt wie jede neue Technologie etwas Auseinadersetzung und Übung. Der richtige Einsatz, z.B. die Einstellung im Jagdbetrieb und die Verwendung von zusätzlichem IR-Licht, birgt manche Tücken. Zum Beispiel, wenn der IR-Strahler plötzlich das ganze Bild überstrahlt, weil er einen zwischen Schütze und Ziel befindlichen Ast oder Baum anstrahlt. Ein allgemeiner Vorteil von Restlichtverstärkern im Gegensatz zu Wärmebildtechnik ist, dass man tatsächlich ähnlich sieht wie bei Tage auch, nur eben monochrom grün oder schwarz/weiß. Das bedeutet, dass man auch kleinere Hindernisse in der Flugbahn des Geschosses erkennen kann.

Gute Vorsätze muss man auch halten- Vorsatzgeräte für Tageslichtoptiken

Vorsatzgeräte bieten alle bereits oben diskutierten Vor- und Nachteile der verwendeten Technologien. Die Wahl zwischen Restlichtverstärkung und Wärmebild muss jeder nach eigenen Bedürfnissen, Reviergegebenheiten und Beschränkungen treffen. 

Wir haben uns auf Grimbart TV in jüngster Zeit verschiedene Wärmebildvorsatzgeräte angeschaut, und können sagen, dass bisher alle getesteten Geräte das getan haben wozu sie entwickelt worden sind. Aber genau da wird es kompliziert. 

Ein Vergleich aus dem Jahr 2020

Vorsatzgeräte sind recht einfach zu verwenden, passen mit entsprechendem Adapter an die vorhandene Tageslichtoptik, und sind in aller Regel auch als Beobachtungsgerät verwendbar. Wobei wir die Beobachtungsfunktion nur empfehlen würden, wenn das Budget kein extra Beobachtungsgerät zuläßt.

Was viele Nutzer, aber auch einige sorglose Händler, vergessen ist, dass Vorsatzgeräte nicht dafür konstruiert wurden, um auf Entfernungen über 100m Kunstschüsse anzutragen die wir bei gesundem Menschenverstand schon tagsüber in der Regel vermeiden würden. Denn sind wir ehrlich, die meisten von uns sind keine ausgebildeten Scharfschützen mit Praxiserfahrung am Hindukusch. 

Jedes Vorsatzgerät benötigt einen Adapter, um an der Optik befestigt zu werden. Zwar gibt es immer wieder neue Speziallösungen, aber auf die gehen wir hier etwas später nur oberflächlich ein. Standard ist also die Verwendung eines Adapters. Das bedeutet aber, dass es viele Variablen gibt: Adapter, Vorsatzgerät, Zieloptik, Zielfernrohrmontage, Schäftung der Waffe, ect. 

Beim Vorsatzgerät spielen Gewicht, werksseitige Kalibrierung, Belastbarkeit und Fertigungsqualität spezielle Rollen mit Auswirkungen auf alles andere. Also etwas komplexer als gedacht, und mit reichlich Platz für Fehler.

Aktuelle Vorsatzgeräte in der Mittelklasse von der Firma Nightlux

Generell ist zu sagen, dass wir gemerkt haben, dass geringes Eigengewicht der Vorsatzgeräte sich positiv auf Treffpunktlage und Wiederkehrgenauigkeit auswirkt. Alleine schon deshalb, weil schwere Geräte, selbst mit guten Adaptern, bei mittelstarken und starken Kalibern anfangen nach vorne zu wandern. Das führt zu einem etwas anderen Sitz vor der Optik und kann, muss aber nicht, zu Treffpunkverlagerungen führen. Außerdem belasten leichte Geräte Montage und Zielfernrohr nicht so stark – genauso wie ein geringer Rückstoß. Wir empfehlen Kaliber wie 6,5 Creedmoor, 7mm 08, 7×57 oder 308 Win für die Jagd mit Vorsatzgerät. Nicht zuletzt deshalb, weil die Waffe ruhiger liegt und das beschossene Wild besser beobachtet werden kann nach dem Schuss.

Aktuelles Premiumgerät von Pulsar

Vorsatzgeräte verlangen außerdem von uns zu „alten Werten“ zurückzugehen – die früher üblichen „Bierdeckel“ als Kennzeichen jagdlich anzustrebender Präzision sind bei Vorsatzgeräten hochaktuell. Es gibt zwar gelegentlich Ausnahmen, aber im Großen und Ganzen ist auch von den besten Geräten bei ständigem Aufsetzen und Abnehmen ein Streukreis von 10cm auf 100m zu erwarten. Das verbietet solchen Unsinn wie Schüsse auf Haupt und Träger.

Damit die Geräte die 10cm Streukreis zuverlässig produzieren, ist es unerlässlich sie sauber zu montieren und mittels Kontrollschuss zu überprüfen und auch, wie meistens notwendig, sorgfältig einzuschießen. Neues Handwerkszeug will nicht nur genutzt werden, sondern sollte auch beherrscht werden. Dazu gehört auch, ein Wärmebild lesen zu lernen, z.B. Bewegungsmuster zu erkennen, oder an der Intensität der Wärmesignatur zu erkennen, dass sich ggf. ein Busch vor dem Ziel befindet.

Die 3 größten Fehler bei der Verwendung von Vorsatzgeräten:
  • Fokussierung falsch eingestellt: Objekte zwischen Schütze und Ziel werden übersehen
  • Adapter nicht richtig montiert oder befestigt: Vorsatzgerät verschiebt sich (Treffpunktverlagerung möglich) oder fällt ab (dauerhafte Beschädigung möglich), oder Gerät berührt den Lauf, so dass dieser nicht frei schwingen kann
  • Gerät nicht ordentlich eingeschossen: Wenn das Gerät nachlässig eingeschossen ist, z.B. über den Zielstock, oder mit schlechter Auflage, kann keine wirklich stichhaltige Aussage über das Trefferbild gemacht werden. Es sollten immer mindestens 2-3 Schussgruppen mit jeweils 3-5 Schuss gemacht werden.

Alternative Montagemöglichkeiten:

Feste Montage vor der Optik (in der Regel Single-Use Geräte): Das Nachtsichtgerät wird mittels Montagevorrichtung entweder direkt vor der Tageslichtoptik auf einer langen Picantinnyschiene montiert (z.B. AR15, AR10 oder Scout Rifles), oder auf speziellen dafür vorgesehenen Montagen auf denen sowohl Optik als auch Vorsatz gemeinsam montiert werden. Sollte es sich um Single-Use Geräte handeln, sind unbedingt die entsprechend strengeren Regeln zu beachten (Eintrag in WBK, Aufbewahrung im Waffenschrank Klasse 1) .

Eine Variante dieser Lösung ist eine Kombination aus Prismenvisier mit fester Vergrößerung (meistens 3-fach oder 4-fach) und Vorsatz. Dabei erhält man dann wegen der geringen Baugröße der Prismenvisiere eine recht kompakte Lösung. Zum Beispiel hier: XEYE CL42 V2 – STEINER T332 – INNOMOUNT MFM Blaser

Strategie ist alles

Wenn man sich mit neuen Möglichkeiten auseinandersetzt, kann man auch gleich mal seine Jagdstrategien überdenken. Anfangs hat mich die neue Technik durchaus in Versuchung geführt kreuz und quer durch das Revier zu ziehen. Es gab ja überall Dinge zu sehen die man sonst nicht zu Gesicht bekam. Restlichtverstärkung und Wärmebild erlaubten Einblicke in das nächtliche Treiben, die mir bis dahin immer verborgen geblieben sind. Es ist etwas anderes, ob man den Uhu hört, oder ihn beim Jagen beobachten kann. Wobei ich übrigens oft beobachten konnte, dass er Meister Lampe einfach ignorierte, während er Nager und Tauben sehr zu schätzen scheint.

So faszinierend die Möglichkeiten auch waren, es ist offensichtlich keine gute Idee das tierische Treiben auch zur Nachtzeit ohne Unterlass zu stören. Außerdem sind wir da draußen auch nicht alleine. Das Wärmebildgerät hat so manchen Geocacher, Reiter, Spaziergänger und Naturliebhaber (im Wortsinne) beiderlei Geschlechtes offenbart – oft angekündigt durch davonstiebendes Wild. Nur die wenigsten konnten sich im Rahmen der freundlichen Ansprache auch nur vorstellen, dass ihr naturverbundenes Treiben die Tiere störe „Hier sind doch gar keine Tiere, noch nie welche gesehen, die schießt ihr ja alle tot.“ Diese Logik ist natürlich unschlagbar. 

Aber egal, Ruhe bewahren und ggf. Einen Blick durch das Wärmebildgerät auf das hochflüchtige Wild anbieten. Wie auch immer, das ist nur ein weiterer Ansporn, um selber möglichst wenig Druck aufzubauen. Aber wie geht das? Eigentlich ist es ganz einfach, und wirklich nicht neu. Umso eigenartiger, dass viele anders verfahren, sobald die Technik in der Hand ist.

Vorweg das Wichtigste: Auch mit Technik sollten wir dem Wild Ruhe lassen. Das bedeutet im Klartext man sollte auf keinen Fall jede Nacht jeden Monat das Revier unsicher machen. Es mag Ausnahmen zu bestimmten Zeiten geben, z.B. zur Wildschadensverhütung am Weizen, aber auch da sollte man vorsichtig sein – je höher der Druck, desto höher der Wildschaden. 

Kurzum, die Technik entbindet uns nicht von der Verantwortung unser Handwerk zu verstehen, eher im Gegenteil.

aus der Jagdpraxis

Hier zwei Vorschläge für moderate Nachtjagdstrategien in Verbindung mit Ruhephasen für das Wild. Auf diese Art und Weise haben wir oft erfolgreich gejagt, ohne bei dem Wild ungewöhnliche Scheu, veränderte Verhaltensweisen oder Nervosität festzustellen. 

Vorschlag 1 – die behutsame (Gummi-)Pirsch: Zuerst einmal zügelt man die eigene Neugier und überlegt sich wo im Revier das Wild in der Nacht an Menschen mehr oder weniger gewöhnt ist. Oft sind das regelmäßig befahrene Straßen die durch das Revier führen. Dort kann man sich mittels Wärmebildkamera quasi im Vorbeifahren, oder von Plätzen mit guter Übersicht, einen Überblick verschaffen. Sollte man Schwarzwild entdecken, kann man es vorsichtig und gezielt angehen. Natürlich sollte man dabei keine Dauerpatroullie fahren. Der Unterschied zwischen Gift und Medizin ist die Menge. Alle Wege und Straßen die Nachts normalerweise keinen Verkehr kennen, sollten auch von uns wenn immer möglich gemieden werden.

Vorschlag 2 – der gezielte Ansitz mit wenig Pirsch: Um von den Straßen schlecht einsehbare Revierteile zu erreichen, oder um verschiedene Schadensschwerpunkte in einer Nacht zu erreichen, kombiniert man den Ansitz mit der Pirsch von Sitz zu Sitz. Diese Art der Bejagung sollte man allerdings äußerst vorsichtig anwenden und genau den Wind beachten. Dank Wärmebildtechnik können wir Störungen auf dem Weg zum Ansitz vermeiden, weil wir das Wild sehen bevor es uns mitbekommt. Das kann natürlich auch bedeuten, dass ein Plan nicht aufgeht, und man den ruhigen Rückzug antreten muss. Es ist durchaus ratsam, ganz im Einklang mit üblichen Bejagungsstrategien, gezielt Revierteile in Ruhe zu lassen, während man woanders den Druck erhöht. 

Außerdem gilt natürlich: Wer im Sommer Unruhe in den Einstand bringt ist selber Schuld, wenn es im Feld viel Schaden gibt. Es ist natürlich auch eine Frage der Rücksichtnahme auf den Reviernachbarn, falls man selbst ein reines Waldrevier hat, und der Nachbar das Feld.

Die Chancen sind groß

Wer sich gewissenhaft mit der neuen Technik auseinandersetzt und bereit ist zu lernen, wird neue Möglichkeiten erhalten, waidgerechter und wirksamer zu jagen. Es wird einfacher das Wild rechtzeitig zu entdecken, führende Stücke zu erkennen, den Überblick bei einer durcheinanderwuselnden Rotte zu behalten, und auch einen sauberen Schuss wird man besser antragen können. 

Wer allerdings die neue Technik nutzt, um den Trophäenträger bei Neumond zu strecken, betrügt sich nicht nur selber mit einer Trophäe die er nicht verdient hat, sondern er bricht das Gesetz und schadet auch allen gut 350.000 Jägern in Deutschland indem er ihre Zuverlässigkeit und Waidgerechtigkeit diskreditiert.

Die neue Technik gibt Jägern gerade mit Blick auf die Thematik Wildschäden wieder Handlungsfähigkeit zurück. Wir müssen sie nur sinnvoll nutzen.

aus der Jagdpraxis

Da einige Geräte interne Videorekorder haben, ist es auch möglich den Schuss zu filmen. Dabei denke ich übrigens nicht an die Veröffentlichung auf den Sozialen Medien, sondern vielmehr an den Nachsuchenführer, falls das Stück nicht am Anschuss liegt. Auch das ist Teil der Waidgerechtigkeit.

Ein angenehmer Nebeneffekt für den Jäger ist es, dass die neue Technik die ehemals wichtigen aber leider großen und schweren 56er Zielfernrohre eigentlich überflüssig macht. Schlanke, leichte 42er Gläser oder gar Drückjagdgläser mit hohem Vergrößerungsbereich (z.B. 1-6fach oder 1-8fach) entpuppen sich plötzlich als die neuen Allrounder.

Für welches Gerät für welchen Zweck man sich entscheiden soll ist und bleibt eine persönliche Angelegenheit. Sie hängt von persönlichen Vorlieben, Reviergegebenheiten und natürlich dem zur Verfügung stehenden Budget ab. Persönlich habe ich gelernt, auf das Gesamtpaket zu achten. Bildqualität und Preis sind nicht alles. Garantie, Service, Ersatzteilverfügbarkeit, austauschbare Akkus, Lieferumfang und vor allem auch Bedienfreundlichkeit sind für mich zu wesentlichen Faktoren bei der Auswahl geworden. Deshalb kommt bei diesen Geräten auch dem Fachhandel eine wichtige Rolle zu. Falschberatung beim Billigheimer sticht spätestens im Revier deutlich ins Auge, und sorgt für Frust. Auf jeden Fall sollte man vor dem Kauf unbedingt selber durch verschiedene Geräte hindurchschauen, um sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen.

Meine persönlichen Favoriten, die sich während all der Tests in der Praxis für meine Art zu jagen bewährt haben:

  • Nachtsichtmonokular Nightlux NV PVS Mono (preisgünstige NV-Alternative als digitales Vorsatzgerät ist das Pulsar FN455)
  • Wärmebildbeobachtungsgerät Pulsar Helion 2 Pro
  • Wärmebildvorsatzgerät Nightlux TA435 

Für die Zukunft wäre es wünschenswert, dass die Jägerschaft sich bei der Nutzung der neuen Möglichkeiten bewährt, und sich ihnen gegenüber nicht verschließt. Mit Blick auf Artenschutz und der Vermeidung unnötiger Beunruhigung wäre es auch zu begrüßen, wenn der Gesetzgeber die Verwendung von Nachtsichttechnik bei der Jagd überall dort erlauben würde, wo die Nachtjagd zulässig ist, also zum Beispiel bei Fuchs, Waschbären und Marderhund. Das würde die ohnehin komplexe Rechtslage vereinfachen und dem Jäger ermöglichen den Predatorendruck auf das Niederwild und Bodenbrüter zu verringern.

Weiterhin wäre es nur konsequent und sinnvoll, würde der Gesetzgeber die Nachtjagd mit Nachtsichtzielfernrohren erlauben, weil diese viele mögliche Bedienungsfehler an Vorsatzgeräten eliminieren. Solange das nicht der Fall ist, sollten wir die erlaubte Technik gewissenhaft unter den Prämissen der Waidgerechtigkeit nutzen. 

Wie alle Bereiche des Lebens unterliegt die Jagd dem Wandel, und das Lernen hört nicht auf. Da Tradition nicht bedeutet, dass alle bleibt wie es war, sondern das wichtige Werte gepflegt werden, ist es an uns den unvermeidbaren Wandel zu gestalten. Wir sollten ihn nicht nur widerspenstig ertragen, und anderen, die sich nicht um das Wohl unseres Wildes kümmern, gedankenlos das Feld überlassen. Schließlich jagen wir ja auch nicht mehr mit Speeren und Fallgruben. Wir jagen tierschutzgerecht, um Natur und Artenvielfalt zu erhalten und für ein hochwertiges Lebensmittel.

In diesem Sinne…

Horrido!

Euer Grimbart

Werbeanzeigen
Werbeanzeigen
Einmalig
Monatlich
Jährlich

Einmalig spenden und die kreative Arbeit von Grimbart TV unterstützen.

Monatlich spenden und die kreative Arbeit von Grimbart TV unterstützen.

Jährlich spenden und die kreative Arbeit von Grimbart TV unterstützen.

Wähle einen Betrag

€5,00
€15,00
€100,00
€5,00
€15,00
€100,00
€5,00
€15,00
€100,00

Oder gib einen anderen Betrag ein


Wir wissen deine Spende sehr zu schätzen.

Wir wissen deine Spende sehr zu schätzen.

Wir wissen deine Spende sehr zu schätzen.

SpendenMonatlich spendenJährlich spenden

Ein Kommentar zu „Jagen mit Nachtsichttechnik – Chancen, Risiken und Herausforderungen von Beobachtungsgeräten, Aufsatz- und Vorsatzgeräten

  1. Ein sehr anschaulicher Beitrag aus der Praxis für die Praxis, der auf komplizierte technische Details verzichtet, die doch nur wenige verstehen würden. Die neue Nachtzieltechnik muss unbedingt Eingang in die Jungjägerausbildung und in das jagdliche Prüfungswesen finden. Ich hoffe, dass der Gesetzgeber offensichtliche Lücken wie das Montageverbot von Lichtquellen oder die Einbeziehung des Raubwildes in die Bejagung mit Nachtzieltechnik bald schließt.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s